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Verein Deutscher Lokomotivführer


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Gewerkschaftsemblem
der GDL, bis 1919 VDL
(Repro: spontan)

Lokomotivführer Carl Maaß, VDL Initiator

(Repro: spontan)

Maaß Initiative

Collegen von Nah und Fern!

Wir fordern Euch nunmehr auf zur ernstlichen Theilnahme an einem edlen, gemeinnützigen Werke ...
Mit dieser Einleitung beginnt im Dezember 1866 als erstes Lebenszeichen des gerade gegründeten Vereins Deutscher Lokomotivführer (VDL) ein Aufruf an alle Lokomotiv- führer. Unterzeichnet ist dieser Aufruf neben anderen vom in Münden wohnhaften Carl Maaß. Neben dem vielfältigen Wirken von Maaß im VDL - der Verein benannte sich am 21. 10. 1919 in Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer um - verband den Verein aber auch bis in die 60er Jahre das Haus Weserland am Kattenbühl mit Hann. Münden.

Die Ziele des Vereins, in dem schon bald nach der Gründung dauerhaft 80 - 90 Prozent des gesamten deutschen Lokomotivpersonals organisiert waren, waren ursprünglich die Verbesserung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung und eine Steigerung des Zusammengehörigkeitsgefühls und des Standesbewußtseins. Nicht explizit benannt - aber von Anfang an Thema - waren Fragen der Eisenbahntechnik und -Sicherheit, ebenso die Verbesserung der Lokomotivführer- ausbildung und Forderung die Überanstrengung und Überbürdung der Lokomotivführer zu reduzieren, denn monatliche Dienstschichten von 350-400 Stunden waren die Regel.

Das Erholungsheim "Haus Weserland" der GDL (vormals
VDL) um 1930.

(Repro: spontan)

Die aufreibenden Arbeitsbe- dingungen fanden nicht nur in den Krankenstandszahlen Ausdruck sondern auch darin, daß der VDL einer der ersten Berufsverbände war, der sich ein eigenes Erholungs- und Genesungsheim errichtete. Als Standort für dieses Heim wurde 1901 Hann. Münden bestimmt.

Das 1903 eröffnete Heim wurde erst 1981 von der GDL geschlossen und an die

 


Entwicklung der Mitgliederzahlen des VDL:

Jahr Mitgliederbestand
VDL  
1867 217
1872 3.973
1902 18.600
1914 50.032
GDL  
1919 63.000
1922 78.844
1932 70.002


VDL Gründer:

Name Ort
Maaß Hann. Münden
Schirmer Kassel
Scotti Mainz
Stadt Münden verkauft. Es konnte seit Jahren nicht mehr ausreichend genutzt werden.
(nebenbei: Haus Weserland heute)

In der 78jährigen Nutzungszeit diente das Heim in beiden Weltkriegen als Lazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg überließen es die Alliierten dem Landkreis Münden, der das Gebäude bis 1951 als Krankenhaus nutzte. Nach der Rückgabe an die GDL (ÖTV und GdED hatten auch Ansprüche erhoben!) konnte es 1953 erneut als GDL- Erholungsheim wiedereröffnet werden.

Gustav Blume berichtet über die Standortbestimmung:

Mit dem Plan der Errichtung eines Erholungs- und Genesungsheims trat der Kreisvorsteher Arnhold in Berlin im Jahre 1899 hervor. Nach einem Vortrag des Geheimen Sanitätsrats Dr. Brähmer, Berlin, auf der Versammlung des Vereins Deutscher Lokomotivführer in Straßburg wurde beschlossen, ein Erholungsheim zu errichten. Von diesem Plan erfuhr ich zufällig auf einer Geschäftsreise in Bremen. Nach der Rückkehr nach Münden machte ich in der nächsten Sitzung der städtischen Kollegien von diesem Plan Mitteilung, worauf die Kollegien einstimmig beschlossen, dem Verein das Gelände am Kattenbühl unentgeltlich anzubieten. Da die meisten Mitglieder des Vorstandes des Vereins Deutscher Lokomotivführer zu der Zeit ihren Wohnsitz in Berlin hatten, wurde ich als damaliger Bürgervorsteher nach Berlin zur Aufnahme der ersten Verhandlungen deputiert. Hier lernte ich zuerst den Schriftführer des Vereins, Gustav Herrmann, kennen, der mir ganze Berge von Angeboten zur Errichtung des Erholungsheims zeigte, aber zusagte, daß Münden im Frühjahr 1900 von den Mitgliedern des Vorstandes besucht würde.

Nach dieser ersten Besichtigungsreise kamen dann Detmold, Münden und Blankenburg i. Thür. auf die engere Wahl. Im schönen Monat Mai 1901 kam der erweiterte Vorstand - etwa 60 bis 80 Personen stark - nochmals nach Münden, um das angebotene Gelände in Augenschein zu nehmen. Von hier reiste der Vorstand nach Detmold; Blankenburg i. Thür. war schon ausgeschieden. In Münden fand die Besichtigung bei schönstem Sonnenschein statt und die Teilnehmer fuhren höchst befriedigt weiter. In unserer Stadt fanden freundliche Begrüßungen statt, wobei der Männergesangverein große Dienste geleistet hat. In Detmold dagegen zogen die Teilnehmer nur unter Führung des Stadtbaumeisters und ohne vorherige Begrüßung, dazu bei strömendem Regen nach dem angebotenen Platze. Der Vorstand beschloß nun, das Heim nach Münden zu legen, von wo aus seinerzeit der Ruf des Lokomotivführers Maaß kam, einen Verein der Lokomotivführer zu gründen. Am 22. Juni fand die feierliche Grundsteinlegung des Erholungsheims statt, und am 7. August 1903 wurde das Heim geweiht. Der Verein der Lokomotivführer ist eine der ältesten Berufsorganisationen in Deutschland; wenn ich nicht irre, ist auch das Erholungsheim Deutscher Lokomotivführer das älteste dieser Art in Deutschland.

Das Haus hat mit der inneren Einrichtung 250.000 Mark gekostet. Die Kosten für die Herstellung dieses Heims haben die Mitglieder durch freiwillige Gaben aufgebracht, also ohne Beihilfe des Staates. Münden kann stolz darauf sein, aus dem Wettbewerb den Sieg davongetragen zu haben. Das Heim ist im Sommer ständig besetzt und die Gäste bringen Leben nach Münden. Durch die tausende und abertausende von Ansichtskarten, die jährlich von hier aus in die Welt gehen, wird unsere Heimatstadt immer bekannter. Der Verein Deutscher Lokomotivführer zählt über 70.000 Mitglieder. 1926 wurde der unterhalb des Heims gelegene Platz, der der Stadt gehörte, dazugekauft und darauf noch ein Wohn- und Pensionshaus errichtet. Im Erholungsheim sind nunmehr 115 Betten aufgestellt. Alle Zimmer sind mit fließendem kalten und warmen Wasser versehen.

Quellen
Blume: Münden ..., S. 225 ff
GDL: 125 Jahre GDL
GDL: WWW-Homepage

 

letzte inhaltliche Änderung am 3. 10. 1997


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